2. Erkrankungen unabhängig vom
Rassestandard
rezessive Genwirkung der meisten Defektgene
Die meisten Defektgene verhalten sich rezessiv gegenüber dem Normalgen.
Sie führen daher nur dann zum sichtbaren Defekt, wenn sie homozygot,
also in doppelter Dosis auftreten. Tiere, die ein Defektgen nur in einfacher
Dosis tragen, erscheinen im Phänotyp, dem äußeren Erscheinungsbild
gesund, geben aber an die Hälfte ihrer Nachkommen das Defektgen weiter.
Wenn der andere Elternteil das Defektgen ebenfalls in einfacher Dosis
trägt, kann es bei einem oder mehreren Nachkommen zum Auftreten des
Defektgens in doppelter Dosis und somit zum Auftreten des Defekts kommen.
Gesunde Elterntiere können also kranke Nachkommen bekommen.
Hat ein gesundes Elterntier aber bereits einmal einen oder mehrere kranke
Nachkommen bekommen, ist es als Träger des entsprechenden Defektgens
entlarvt. In so einem Fall ist die Gefahr, daß in einem weiteren
Wurf wieder kranke Nachkommen auftreten natürlich relativ groß.
Es ist somit günstiger, einem Welpen aus einer Paarung von Zuchttieren,
die bereits Nachkommen haben, zu kaufen. Ihr Tierarzt informiert Sie
über häufige Erkrankungen bestimmter Rassen.
Beabsichtigt man den Kauf eines Welpen einer Rasse, bei der bestimmte
Erbfehler gehäuft auftreten, sollte man sich daher sehr genau nach
bereits vorhandenen Nachkommen der Elterntiere erkundigen, wobei der Informationwert
umso größer ist, je größer die Anzahl bereits vorhandener
Nachkommen ist. Hat z.B. ein Rüde bereits 10 Würfe gezeugt
bei denen kein einziger kranker Nachkomme aufgetreten ist (vorausgesetzt,
daß alle Nachkommen in Bezug auf die betreffende Krankheit untersucht
worden sind), ist die Wahrscheinlichkeit gering, daß ein Nachkomme
aus dem elften Wurf einen Defekt erbt. Ist unter diesen Nachkommen aber
ein kranker, dann erbt jeder weitere Nachkomme mit einer Wahrscheinlichkeit
von 50% das betreffende Defektgen.
Die Wahrscheinlichkeit, daß Defekte im Phänotyp auftreten,
steigt mit dem Grad der Verwandtschaft der Elterntiere. Je näher
verwandt die Eltern miteinander sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit,
daß sie gleiche Defektgene tragen und an ihre Nachkommen weitergeben.
Bei der Auswahl eines Welpen ist also auch die Verwandtschaft zwischen
den Eltern zu beachten, wobei sich der Grad der Verwandtschaft aus der
Zahl der gleichen Ahnen in den Pedigrees der Eltern abschätzen läßt.
Je mehr Ahnen sowohl im Pedigree des Vater als auch in dem der Mutter
auftreten, umso enger sind die beiden Tiere miteinander verwandt.
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