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Die "Gesundheit" des Hundes
2. Erkrankungen unabhängig vom Rassestandard

     Umweltbeteiligung an der Ausprägung der Defekte
Sehr viele genetische bedingte Erkrankungen werden als Disposition vererbt. Der Welpe kommt also nicht mit der Krankheit selber auf die Welt, sondern nur mit einer erhöhten Bereitschaft zu erkranken, wenn er mit entsprechenden Umweltverhältnissen konfrontiert wird. Die Krankheit selber kommt nur dann zustande, wenn ein genetisch disponierter Hund entsprechenden belastenden Umweltverhältnissen ausgesetzt wird. So kommt z.B. ein Hund mit normalen Hüftgelenken auf die Welt. Erst durch verschiedene Umweltbelastungen im Laufe der ersten Lebenswochen und -monate (zu intensive Fütterung, zu viel bzw. ungünstige Bewegung) kommt es bei genetisch disponierten Hunden zu Fehlentwicklungen im Bereich der Hüftgelenke, die schließlich zu einer Hüftgelenksdysplasie führen. Lebt ein genetisch disponierter Hund unter optimalen Umweltbedingungen, kann es sein, daß die Krankheit nie manifest wird. So günstig das für den betroffenen Hund ist, so ungünstig ist ein solcher Fall für die züchterische Selektion. Denn dieser Hund wird möglicherweise als scheinbar gesund in der Zucht eingesetzt und gibt somit an alle seine Nachkommen seine Defektgene weiter. Die Wahrscheinlichkeit, daß seine Nachkommen die betr. Krankheit dann tatsächlich bekommen, wenn sie unter entsprechend ungünstigen Umweltbedingungen gehalten werden, ist somit sehr groß. Bei manchen Erbkrankheiten ist es möglich, durch bestimmte standardisierte Untersuchungen die Disposition für eine Erbkrankheit auch dann zu erkennen, wenn der Hund noch keine klinischen Symptome zeigt. So ist es z.B. möglich, durch eine Röntgenuntersuchung Veränderungen am Hüftgelenk bereits zu einem Zeitpunkt festzustellen, zu dem der Hund äußerlich noch keinerlei Anzeichen einer Hüftgelenksdysplasie zeigt.
In fast allen Zuchtverbänden von Rassen, in denen Hüftgelenksdysplasie ein Problem darstellt, werden Hunde nur dann zur Zucht zugelassen, wenn sie einer Röntgenuntersuchung unterzogen worden sind und einen, allerdings je nach Rassezuchtverband unterschiedlichen, HD-Befund aufweisen. So bekommt bei manchen Zuchtverbänden nur ein HD-freier Hund eine Zuchterlaubnis, bei anderen wird auch mit Hunden mit HD-Übergangsform, bei manchen sogar mit leichter HD gezüchtet. Man sollte sich also bei der Auswahl eines Welpen nicht mit der Auskunft zufriedengeben, daß die Eltern die HD-Anforderungen des Zuchtverbandes erfüllen, sondern nach dem genauen HD-Befund fragen, sich allenfalls sogar den HD-Befund der Eltern zeigen lassen.
Neben der Hüftgelenksdysplasie gibt es eine Reihe anderer genetisch bedingter Erkrankungen, für die Untersuchungsmöglichkeiten etabliert sind.
Besonders günstige Bedingungen für den Hundekäufer liegen vor, wenn eine Erkrankung bereits im Welpenalter eindeutig diagnostiziert werden kann. So ist es z.B. möglich, eine bestehende Taubheit bereits ab einem Alter von etwa 7 Wochen durch eine audiometrische Untersuchung festzustellen. Entscheidet man sich für eine Rasse, bei der Taubheit gehäuft auftritt, kann man vor dem Kauf des Welpen eine entsprechende Untersuchung verlangen.
Tabelle 3 zeigt eine Übersicht über die wichtigsten Erkrankungen, bei denen eine standardisierte Diagnosemöglichkeit vorliegt.