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Botulismus bei Pferden nach Fütterung von Grassilage


Die I. Medizinische Klinik für Einhufer und Kleintiere an der VUW wurde in letzter Zeit vermehrtmit Pferden befasst, die an Botulismus leiden. Diese Tiere waren in den überwiegenden Fällenmit Grassilage gefüttert worden.
Botulismus ist eine von Lähmungen charakterisierte Krankheit und wird durch Aufnahme vonBotulismustoxinen verursacht. Botulismustoxine werden von Clostridium botulinum ,einer Bakterienart,produziert.Diese Bakterien leben häufig im Boden und vermehren sich in Abwesenheit von Sauerstoff. Wenn dieBakterien ungünstige Lebensbedingungen vorfinden, bilden sich Sporen, genau wie bei Milzbrand- undTetanusbakterien. Diese Sporen sind inaktive Dauerformen, die sehr resistent gegen Umwelteinflüssesind und auf diese Weise lang im Boden überleben können. Die Sporen werden jedoch beiTemperaturen von 120°C in 20 Minuten abgetötet.

Klinische Symptome bei klassischem Botulismus
Die klinischen Erscheinungen beim Pferd werden durch die von den Bakterien gebildeten Gifteausgelöst, die häufigsten Toxine beim Pferd sind das A, B und C-Toxin. Die klinischen Symptome sindnicht immer spezifisch: Unfähigkeit zur Futteraufnahme, Zungenlähmung, Zurückfließen des Futtersüber die Nase wegen Schluckbeschwerden und Muskelzittern treten auf. Die Lähmung schreit fort, bisdas Pferd zum Festliegen kommt. Im Endstadium ist auch die Atmungsmuskulatur gelähmt, so dassdie Tiere ersticken
.
Mildere Verlaufsformen
In der Literatur werden gelegentlich Fälle mit weniger ausgeprägten Lähmungen beschrieben. DieseErfahrungen haben sich auch hier an der Klinik bestätigt.Kürzlich wurden Fälle beobachtet, bei denen die Pferde anfangs sehr matt waren und einegeringgradige Kolik zeigten. In einigen Fällen war die Aufnahme von Futter beeinträchtigt, die Nasewar mit Futterresten verschmutzt.Bei genauer Beobachtung waren die Pferde in der Lage, etwa 70% des Heus noch abzuschlucken,später wurde das immer weniger. Die Darmaktivität war stark gehemmt und über eine gesetzteMagenschlundsonde floss häufig wässriger Mageneinhalt ab.Abgesehen von den Blutgaswerten waren die Blutwerte bei dieser Pferde nicht auffällig verändert. Inetwas weiter fortgeschrittenen Fällen speichelten die Pferde leicht und legten sich öfter hin. ImEndstadium schafften sie es nicht mehr aufzustehen.In den Seren der bei uns eingelieferten Pferde wurde Toxintyp C1/D nachgewiesen.

Therapie
Im sehr frühen Stadium kann man mittels Injektion von spezifischen Antikörpern die Toxinwirkungabpuffern. Sobald jedoch eine Bindung des Toxins an die Nerven erfolgt ist, dauert es lange (ca. 47Tage), bis sie völlig abgebaut sind.Das für einen Therapieversuch nötige Antiserum kostet etwa $ 2500 pro Dosis und ist nur in kleinenMenge verfügbar. Fälle, die weiter fortgeschritten sind, können nur noch symptomatisch undunterstützend, z.B. mit Sondenernährung, behandelt werden. Die Todesrate liegt dann aber zwischen70 und 90%.