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Sind auch andere Vogelarten vom Usutu-Virus betroffen?


Das im Vorjahr im Raum Wien erstmals beobachtete „Amselsterben“ tritt auch heuerwieder massiv auf. Auslöser ist das aus Afrika stammende Usutu-Virus, das bishernoch nicht als derart tödlich für Vögel bekannt war. Warum es nun ausgerechnet imGroßraum Wien zu dramatischen Auswirkungen kommt, ist im AugenblickGegenstand intensiver Untersuchungen. Darüber hinaus liegen Hinweise vor, dassauch andere Vogelarten von dieser Virusinfektion betroffen sind.

Es begann im Sommer 2001: Zahlreiche besorgte Anrufer meldeten im BirdLife-Büro das flächigeVerschwinden von Amseln und das Auffinden toter Vögel. Sie wurden an der VeterinärmedizinischenUniversität Wien untersucht und schon bald stand der Auslöser der Epidemie fest: das durchblutsaugende Insekten übertragene aus Afrika stammende Usutu-Virus war im Raum Wien,Korneuburg und Perchtoldsdorf für das Sterben der schwarzgefiederten Sänger verantwortlich. DiesemVirus aus der Gruppe der durch Stechmücken übertragenen Flaviviren, das mit den Erregern von WestNile Fieber und der Japanischen B Encephalitis verwandt ist, war es im Vorjahr gelungen, ausZentralafrika nach Mitteleuropa zu gelangen und sich in heimischen Stechmückenarten zu vermehren.Offen blieb vorerst nicht nur, wie dieses Virus hierher gelangte und warum es so tödliche Folgen hatte,sondern auch, ob das Vogelsterben im Sommer 2001 ein Einzelereignis war oder ob es sich fortsetzt.Diese zweite Frage kann mittlerweile beantwortet werden. Seit Juli 2002 werden wieder tote Amselnaufgefunden und die Wissenschaftler an der Veterinärmedizinischen Universität konnten eindeutigeine Infektion mit Usutu-Virus nachweisen.

Prof. Norbert Nowotny vom Institut für Virologie: „Molekularbiologische Untersuchungen zeigten, dasses sich um den gleichen Virusstamm wie im Vorjahr handelt. Das Virus dürfte in heimischenStechmücken den Winter überstanden haben. Vermutlich werden wir auch in den nächsten Jahren mitdieser Virusinfektion zu rechnen haben; wahrscheinlich wird sie sich sogar weiter ausbreiten“.Prof. Herbert Weissenböck vom Institut für Pathologie: "Die meisten Amseln werden tot in Gärten oderöffentlichen Grünflächen aufgefunden. Nur selten werden Vögel mit offensichtlichenKrankheitssymptomen wie Apathie und Bewegungsstörungen gesehen."Am stärksten betroffen dürfte heuer vor allem der Raum im Süden und Südosten Wiens sein, vonSchwechat über Simmering und Favoriten bis Mödling und Baden. Nun gilt es, Ursachen undAusbreitung dieser Epidemie weiter zu erforschen, unter anderem auch um die Notwendigkeit undMachbarkeit von Gegenmaßnahmen abschätzen zu können.
Auswirkungen

Die Lücken, die das Usutu-Virus im Jahr 2001 in den Wiener Amselbestand gerissen hat, wurdenteilweise im Winter, zum Teil erst im heurigen Frühjahr aus den Populationen der umliegenden Wälder(Wienerwald, Donau-Auen) aufgefüllt. Die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich führt zur Zeiteine Brutvogelkartierung in Wien durch, bei der v.a. im Süden Wiens im Frühjahr noch einige größereBestandslücken auffielen. Daneben betreibt BirdLife seit einigen Jahren ein österreichweitesÜberwachungsprogramm der Bestände verbreiteter Kleinvogelarten. Im Vergleich zum Vorjahr konntebei der Amsel im Raum Wien bereits ein Rückgang um 15% festgestellt werden, während im übrigenÖsterreich die Amselbestände stabil blieben. „Sollte diese Epidemie nun regelmäßig und in größerenGebieten ausbrechen, kann das für die heimischen Amseln rasch zu einem gravierendenBestandseinbruch führen“ ist Dr. Andreas Ranner, Geschäftsführer von BirdLife besorgt. „Der stummeFrühling könnte in Wien und Teilen Niederösterreichs so bald zur Realität werden, erst recht, wennauch andere Vogelarten betroffen sind.“
Nicht nur die Amsel...

Denn es mehren sich mittlerweile die Hinweise, dass genau das der Fall ist. Schon im Jahr 2001starben im Tiergarten Schönbrunn 5 Bartkäuze an diesem Virus. Heuer wurden bereits ausverschiedenen Teilen Ostösterreichs vorerst noch ungeklärte Bestandseinbrüche bei häufigen Artenwie Spatzen und Meisen gemeldet.

Was ist zu tun?
Zur weiteren Klärung dieses Phänomens sind dringend weitere Untersuchungen notwendig. DieExperten von BirdLife und der Veterinärmedizinischen Universität appellieren daher an dieBevölkerung, tote Amseln abzugeben oder einzuschicken (aus allen Bundesländern!) und auch nachanderen Arten, die ohne erkennbaren Grund tot aufgefunden werden, Ausschau zu halten.