Frage:Die Huendin (Briard, 6 Jahre ) eines Bekannten hat (eigendlich schon ihr Leben lang ) ein Problem. Wenn ihr Herrchen nach Hause kommt, Besuch kommt oder sie z.B. in einem Lokal jemand Bekannten trifft (sie sich also wohl freut) setzt sie unkontrolliert Harn ab. Dieses macht sie auch, wenn man vorher mit ihr spazieren war. Die Huendin ist zwar vor zwei Jahren kastriert worden, hatte dieses Problem aber auch schon vorher. Leider nuetzt es auch nichts, wenn man sie ignoriert oder erst begruesst, wenn sie sich beruhigt hat. Vielleicht wurde in der Erziehung ein Fehler gemacht. Darueber weiss ich allerdings nichts, da ich sie nicht vom Welpenalter an kenne. Hat jemand von Ihnen eine Idee, um der Huendin und ihrem Besitzer zu helfen. Aus diesem Grund muss sie oft allein zu hause sein, da sie nirgends mit hingenommen werden kann, obwohl sie sonst ein ruhiger Hund und unauffaelliger Begleiter waere. Eine andere Idee von mir ist fehlende Aufmerksamkeit, da sie halt aus genanntem Grund viel alleine ist (Teufelskreis). Im Voraus vielen Dank,(M. Rother)

Antwort:
Sehr geehrte Frau Rother,
das Harn-Absetzen ist ein Zeichen von Unterwuerfigkeit (Demutsgebaerde), das bei manchen Hunden ueber das Welpenalter hinaus erhalten bleibt. Das Harnabsetzen wird verstaerkt gezeigt, wenn der Hund unter psychischem Druck steht. Abstellen kann man dieses Verhalten leider nicht vollstaendig, aber man kann die Haeufigkeit stark reduzieren, wenn man das Selbstbewusstsein des Hundes steigert. Vermitteln Sie der Huendin Erfolgserlebnisse, staerken Sie ihr Selbstvertrauen mit kleinen Uebungen, die sie erfolgreich bewaeltigen kann. Es hilft nicht, den Hund allein zu lassen. Im Gegenteil: sooft wie möglich mitnehmen, damit das Tier sich an ungewoehnliche Situationen gewoehnt. Auch das staerkt das Selbstbewusstsein. Begegnungen mit "Testbesuchern" trainieren: Hund vorher herauslassen, damit sie sich loest. Wenn Besuch kommt, sollte der Hund konsequent auf seinen Platz verwiesen werden. Der Besuch sollte den Hund anfangs ignorieren. So wird der anfaengliche "Freundenbach" vermieden. Bei nicht so geliebten Besuchern gehen Begegnungen zu einem spaeteren Zeitpunkt meist ohne Urinabsatz vonstatten, bei sehr engen Bezugspersonen muss die Trennung anfangs ueber den gesamten Besuchszeitraum erhalten bleiben. Wenn das Empfangen von Besuch besser klappt, koennen Sie auch das Mitnehmen ueben: nehmen Sie eine Decke mit, die Sie direkt bei Ankunft an einen fuer die Huendin bestimmten Platz legen. Weisen Sie der Huendin diesen Platz zu und dulden Sie kein Herumlaufen und Begruessen Ihrer Gastgeber.
Wichtig: wenn die Huendin Wasser laesst, schimpfen Sie sie nicht aus. Gehen Sie stillschweigend darueber hinweg, sonst erzeugen Sie noch mehr Psychostress, der meist in einem noch groesseren "See" endet. Bleiben Sie auch innerlich gelassen, denn der Hund registriert auch Ihre innerliche Wut, was ihr wiederum mehr Stress bereitet. Uns ist es durch diese Massnahmen gelungen, die Haeufigkeit des Demuturinierens auf seltenste Faelle zu reduzieren. Uebrigens: man kann den Gemuetszustand seines Hundes aus seinem "Gesichtsausdruck" entnehmen, so das Demuturinieren vorhersehen und durch geeignete Massnahmen und Befehle verhindern.