Frage: Bei der Mutter meines Pferdes wurde Spat festgestellt. Obwohl sie immer nur als Freizeitpferd eingesetzt wurde und nie schwere Arbeiten verrichten musste. Nun möchte ich gerne wissen, ob Spat vererbar ist? Mein Pferde ist 4 Jahre alt. Könnte man jetzt schon feststellen ob er evtl. Spat von der Mutter geerbt hat?
(N.N.)

Antwort: Der Spat beim Pferd
Mit dem Namen bezeichnet man seit alters her eine chronisch-deformierende Entzündung des Sprunggelenkes, die sich später auf die übrigen Teile des Gelenkes, den Metatarsus und die Griffelbeine ausbreitet. Die Erkrankung ist nach ihrem Wesen den Erkrankungen zuzuordnen, deren Entstehungsursache in einer chronischen, sich ständig wiederholenden Traumatisierung liegt.

Das Wort "Spat" ist abzuleiten von dem althochdeutschen Spatz = Knollen, Knoten, Knödel (vgl. die heute noch in Bayern übliche Aussprache Spatz für Spat, ferner die in manchen Weingegenden gebräuchliche Bezeichnung Spatz für die knotenartiger Absätze der Reben, endlich die schwäbische Benennung Spätzle = Knödel). Das lateinische Wort spavanus, von dem andere das Wort Spat ableiten wollen, ist späteren Ursprungs und stammt von dem althoch. deutschen Wort sparve= Sperling (vulgär = Spatz).

Die Ursachen des Spats sind teils äussere, teils innere.

Die äussere, direkte, eigentliche Ursache des Spats ist die fortgesetzte Quetschung (Zusammenpressung) der kleinen Sprunggelenkknochen durch die Körperlast infolge von Uberanstrengung der Pferde durch zu frühzeitigen, anstrengenden Dienstgebrauch. Bei Zugpferden sind namentlich das Ziehen schwerer Lasten auf schlechten Wegen, bei Reitpferden das anhaltende und zu frühe Galopp- und Trabreiten sowie das Rennen zu beschuldigen. Beim jungen 3-5jährigen Reitpferd kommt heutzutage der Spat aus diesem Grund sehr häufig vor. Die ersten Anfänge für die Entstehung der Spaterkrankung werden vielfach schon bei der ersten reiterlichen Ausbildung gelegt. Nicht selten geschieht dies, wenn die jungen Pferde für Auktionen oder dergl. in relativ kurzer Zeit in einen gewissen reiterlichen Ausbildungszustand gebracht werden sollen. Durch die ungenügende allgemeine gymnastische Ausbildung können die Sprunggelenke einseitig überbelastet werden. Von den Rennpferden erkranken am häufigsten die Traber an Spat. Er ist für diese eine Berufskrankheit, die sich infolge ungewöhnlich starker Beanspruchung der Sprunggelenke einstellt. Die Erkrankung der inneren Seite des Gelenks erklärt sich aus der physiologischen Mehrbelastung der inneren Gelenkhälfte. Zuweilen entwickelt sich auch der Spat bei ausgewachsenen Pferden im Anschloß an Prellungen (Quetschungen) des Sprunggelenks.

Die inneren, indirekten, prädisponierenden Ursachen sind zunächst die Jugend und das lebhafte Temperament edler Pferde. Sodann kommen als prädisponierende Momente in Betracht: mange hafte anatomische Beschaffenheit des Sprunggelenks (schmales, schwaches, flaches, kleines, kurzes, eingeschnürtes Sprunggelenk), unregelmäßige Gliedmaßen- und Zehenstellungen (säbelbeinige, kuhhessige, bodeneng- und zehenweite, faßbeinige, rückständige Stellung, Uberbautsein), übermäßige Entwicklung der Kruppenmuskulatur bei schwachem Sprunggelenk, schlechte Beschaffenheit der Knochen und außerdem unzweckmässiger Hufbeschlag (zu starkes Niederschneiden der Trachten, einseitiges, schiefes Beschneiden, zu schmale und zu eng gerichtete und zu kurze Hufeisenschenkel). Soweit diese Ursachen auf angeborenen Skelettverhältnissen beruhen, sind sie als Anlage zum Spat auch vererbbar; der Krankheitsprozeß des Spatsselbst ist dagegen nicht vererbbar.

(Text entnommen aus: Silbersiepe/Berge/Müller, Lehrbuch der speziellen Chirurgie, Enke Verlag, Stuttgart 1986)